Herzchirurgie des UKM implantiert erst­ma­lig in Deutschland neuar­tige Pumpe zur Kurzzeitunterstützung

Münster (ukm/dre). Zum ersten Mal in Deutschland haben Herzchirurgen des Universitätsklinikums Münster (UKM) bei einem Patienten eine neuar­tige Pumpe für die Kurzzeitunterstützung bei stark pump­schwachen Herzen implantiert. Bei diesem so genan­nten „PulseCath-System“ wird ein Katheter über die Schlüsselbeinarterie in das Herz vorgeschoben.Nach außen wird der Katheter an eine spezielle Pumpkammer angeschlossen. Über eine neuar­tige paten­tierte Klappentechnik kann mit diesem Katheter Blut aus dem Herzen ent­nom­men und in die Hauptschlagader wieder hereingepumpt wer­den. Diese Pumpe wurde bis­lang nur in den Niederlanden und Belgien benutzt. Durchgeführt wurde der Eingriff von Prof. Dr. Stefan Klotz, Oberarzt in der Klinik und Poliklinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (Direktor: Prof. Dr. Hans H. Scheld). Dem Patienten geht es gut: Aktuell wartet er, ver­sorgt mit einem kom­plet­ten Kunstherzsystem zur Langzeitunterstützung, auf ein Spenderherz.
Alle ein bis zwei Wochen kommt Gottfried Driemer nun in die herzchirur­gis­che Ambulanz des UKM zur Kontrolle seines Kunstherzsystems. Die übrige Zeit kann er zuhause in Billerbeck ver­brin­gen. Der 51-Jährige ist froh, dass er die Zeit daheim ver­brin­gen kann und nicht in der Klinik. Für ihn ist es „ein kleines Wunder“ und auch für viele Ärzte nicht selb­stver­ständlich.

Ein Blick zurück: Im ver­gan­genen Mai ging es Gottfried Driemer schlecht. Mit zunehmender Luftnot stellte er sich in einem Krankenhaus vor. Es erfol­gten mehrere Untersuchungen bei dem Verdacht ein­er schw­eren Muskelerkrankung des Herzens. Das Herz von Gottfried Driemer wurde immer größer und pumpte immer schlechter. Ende Mai kam es zum akuten Kollaps: Er entwick­elte eine schw­er­wiegende Herzrhythmusstörung. Gottfried Driemer musste wieder belebt und in tiefes Koma gelegt wer­den: In diesem kri­tis­chen Zustand wurde er dann in die Herzchirurgie des UKM ver­legt. Hier zeigte sich, dass das Herz nur noch ein Zehntel der nor­malen Pumpleistung hat­te.

Prof. Stefan Klotz: „Im Normalfall würde bei solchen Patienten, die wieder belebt wer­den mussten, eine kün­stliche Pumpe über die Leistengefäße angeschlossen wer­den. Neben möglichen Durchblutungsstörungen der Beine ist vor allem die Notwendigkeit, die Blutgerinnung fast voll­ständig zu hem­men, ein großes Problem. Daher entsch­ieden wir uns für die Implantation des neuar­ti­gen Gerätes für den Akuteinsatz, dass uns erst seit kurzem zur Verfügung stand.“ Am Abend des 31. Mai führte Prof. Klotz den rund 90-minüti­gen Eingriff durch – zum ersten Mal in Deutschland.

Mit dieser in Deutschland erst­ma­lig einge­set­zten Pumpe sta­bil­isierte sich die Kreislaufsituation von Gottfried Driemer so gut, dass das kün­stliche Koma been­det wer­den kon­nte. Er wachte aus dem Koma auf und es zeigte sich, dass er die Wiederbelebung ohne schw­er­wiegende Folgen über­standen hat­te. Kurz darauf erfol­gte die Implantation eines kom­plet­ten Kunstherzsystems zur notwendi­gen Langzeitunterstützung. Mit diesem System kon­nte er dann Ende Juli nach Hause ent­lassen wer­den.

Da die Herzleistung durch das Kunstherzsystem dauer­haft unter­stützt wer­den muss, ist Gottfried Driemer bei Eurotransplant zur Herztransplantation angemeldet. Aufgrund eines zunehmenden Organmangels muss er jedoch mit ein­er Wartezeit von ein bis zwei Jahren rech­nen, bis hof­fentlich ein geeignetes Spenderorgan zur Verfügung ste­ht. Diese Zeit kann er jedoch rel­a­tiv bequem mit dem Kunstherzsystem zu Hause ver­brin­gen. „Ich bin glück­lich, dass meinem Mann so schnell und pro­fes­sionell geholfen wurde. Jetzt gibt es wieder eine Zukunftsperspektive. Dafür bin ich unendlich dankbar“ sagt seine Ehefrau Monika Driemer.

Prof. Klotz ist überzeugt: „Das neue Gerät kann vie­len Patienten mit akuten schw­eren Beeinträchtigungen der Pumpfunktion des Herzens helfen. Der große Vorteil ist dabei, dass hier­durch wertvolle Zeit in ein­er kri­tis­chen Phase gewon­nen wird und in Ruhe für die weit­ere Therapie Entscheidungen getrof­fen wer­den kön­nen.“

Simone Hoffmann
Stabsstelle Unternehmenskommunikation

Universitätsklinikum Münster

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